Zeitzeuge

Kuka, die Kunsthallen-Kastanie

Ort und Gestalt

Kuka steht im Kunsthallenpark, ca. 10 m westlich des Nebelswalls und 20 m westlich des Ratsgymnasiums. In ihrem Schatten stand bis 2008 das Bismarck-Denkmal. Bis 2007 stand rund 40 m entfernt Richtung Obernstraße eine zweite, etwas kleinere Kastanie, die damals krank war und gefällt werden musste. Kukas mächtige und wohlgeformte Krone beschattet im Sommer die Menschen im Park und wird bei den »Nachtansichten« grün angestrahlt. Die Weserlutter fließt etwa 100 m südlich, hinter der Kunsthalle, ein kleines Stück unter freiem Himmel. Kuka überblickt das Ratsgymnasium, die Kunsthalle, den Nebelswall, den Anfang der Artur-Ladebeck-Straße mit der Lindenallee (Grüner Stadtring), die Villen und Gärten am Albrecht-Delius-Weg, Ostwestfalendamm und Bahnstrecke Bielefeld-Hamm, das Gebäude zwischen Waldhof und Obernstraße, die Ecke Waldhof/Welle, den Oberntorwall mit der Handwerkskammer, die Von-der-Recke-Straße, einen Teil der Alfred-Bozi-Straße, die Sparrenburg, das Caroline-Oetker-Stift an der Hochstraße, den Johannisberg, den Bielefelder Pass.

Baumart

Rosskastanie, Aesculus hippocastanum. Man erkennt sie an den großen, meist fünffach gefiederten, langen Blättern, den weißen oder lachsroten kerzenförmigen Blütenständen (im Mai/Juni), den Kastanienfrüchten (im Herbst), der im Alter oft etwas aufgetürmt wirkenden Krone; im Winter an der Astform (die Äste sind häufig am Ende etwas nach unten gebogen) und an der Borke, die in kleinen, eckigen Stücken aufplatzt. Der Stamm ist bei alten Kastanien oft längswellig.

Geschichte

Der ca. 200 m nordöstlich liegende Waldhof ist wahrscheinlich der älteste Siedlungskern Bielefelds (seit etwa 800 n. Chr.) und war später ein Adelshof, ebenso wie der benachbarte Grestsche Hof, der 1585 im Stil der Weserrenaissance erbaut wurde. Als Kuka um 1810 gepflanzt wurde, stand hinter ihr, entlang dem heutigen Nebelswall, die mittel¬alterliche Stadtmauer. Am Ende der Kreuzstraße (heute Adenauerplatz) stand das tief gestaffelte Nebelstor, am Ende der Obernstraße das Oberntor. Die Fläche des heutigen Parks war damals eine vor der Stadtmauer liegende Wiese (evt. eine Bleichwiese). In den 1860er Jahren wurden Stadtmauer und Stadttore abgerissen, 1870 wurde am Nebelswall das heutige Ratsgymnasium gebaut, unter Einbeziehung des Grestschen Hofes. Um 1905 wurde gleich neben Kuka das Bismarck-Denkmal aufgestellt. Im Gebäude der heutigen POW!-Musikschule befand sich in den 1930er Jahren der Sitz des BDM (Bund Deutscher Mädel); es brannte 1944 aus. 1968 wurde nach Plänen von Philip Johnson und auf Basis einer Stiftung von Rudolf-August Oetker die Kunsthalle erbaut. 1969/70 entstand auch der Kunsthallenpark rund um die Plastik »Large Oval with Points« von Henry Moore. 1986 wurde auf dem Mittelstreifen der Artur-Ladebeck-Straße eine Lindenallee gepflanzt. Sie ist Teil des von Joseph Beuys 1982 in Kassel angestoßenen Projektes »7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung« sowie Teil eines »Grünen Stadtrings« um die Bielefelder Altstadt.

Status und Pflege

Kuka ist ein geschütztes Naturdenkmal. Sie ist ein städtischer Baum, Teil einer städtischen Grünanlage, wird vom Umweltamt betreut und von den Umweltbetrieben gepflegt. Eine zweite Kastanie gleich daneben, die ebenfalls Naturdenkmal war, musste 2007 gefällt werden, weil sie krank war.