Zeitzeuge

Plata, die große Platane

Ort und Gestalt

Plata steht an der Ecke Niederwall / Am Bach, direkt am früheren Ufer der Weser-Lutter und dem heutigen Lutterkanal, ca. 20 m östlich des Siekerwalls und somit knapp außerhalb der früheren Stadtmauer. Mit ihrer imposanten, breit ausladenden Krone und dem Stamm, der sich schon in 3 m Höhe in sieben Stämmlinge aufteilt, ist sie wahrscheinlich der bekannteste Baum Bielefelds, in der Innenstadt wohl auch der mit der größten Krone. Optisch beherrscht sie die ganze Kreuzung Niederwall / Am Bach / Hermannstraße. Sie überblickt den Niederwall bis zum Stadttheater, den früheren Ulmenwall bis zum Landgericht, die Ecke Am Bach / Gehrenberg, die Spitzen der Dürkopp-Werke (Tor 1), das frühere Fabrikgelände zwischen Marktstraße und Nikolaus-Dürkopp-Straße, die Kirchtürme und Dächer der Alt- und Neustadt.

Baumart

Ahornblättrige Platane, Platanus × hispanica, eine Kreuzung aus Amerikanischer Platane (Platanus occidentalis) und Morgenländischer Platane (Platanus orientalis).

Geschichte

An dieser Stelle befand sich das Brücktor der Stadtmauer, durch das die Weserlutter die Stadt verließ. Auf der Innenseite der Stadtmauer befand sich eine Wassermühle, die Starkenmühle, die von mehreren kleinen Mühlrädern im Bach angetrieben wurde. Die Platane steht dort, wo die Lutter den vor der Stadtmauer gelegenen Wall durch-schnitt. Außerhalb des Walls verlief ein Wassergraben. Die Stadtmauer wurde vermutlich zwischen 1870 und 1880 abgerissen, der Wassergraben zugeschüttet, die Lutter an dieser Stelle, gleich neben der Platane, überwölbt (kanalisiert). Man legte auf dem Wall eine breite Straße und eine mehrreihige Ulmenallee an, an die noch der inoffizielle Name Ulmenwall (sowie der gleichnamige Bunker) erinnert. An der Stadtseite baute man repräsentative Gründerzeithäuser. 1902 wurde die Straßenbahnlinie 2 nach Sieker auf dem Wall verlegt. Die Ulmen fielen in den 1920er Jahren der ersten großen Welle des Ulmensterbens zum Opfer. Beim Bombenangriff 1944 brannten fast alle Gebäude im Kreuzungsbereich ab. Die heutigen Gebäude entstanden zum größten Teil in den 1950er und 1960er Jahren. Das Haus der Sparrenburg-Apotheke ist eines der wenigen Überbleibsel der 1930er Jahre, das Haus des Gutzeitcafés (früher Café Passon) wohl ein Überbleibsel der 1900er Jahre.

Status und Pflege

Plata ist ein geschütztes Naturdenkmal. Sie ist ein städtischer Baum, Teil einer städtischen Grünanlage, wird vom Umweltamt der Stadt Bielefeld betreut und von den Umweltbetrieben gepflegt.