Zeitzeuge

Raspa, die Raspi-Buche

Ort und Gestalt

Raspa steht im Ravensberger Park vor dem dunklen, lang gestreckten Nebengebäude, in dem sich das Ordnungsamt befindet, etwa 30 m südöstlich vom Eingang der Hechelei. Ihre Zweige hängen, wenn sie nicht abgeschnitten werden, wie ein Vorhang bis fast zum Boden herab und bilden mit ihren Blättern eine grüne Kuppel, in die die Menschen eintreten können. Von Westen aus gesehen sieht ihre Krone wie die Frisur eines Mädchens aus: zur Hauswand hin das Pony, zur Hechelei hin der Ansatz zum Pferde-schwanz. Vom Lichtwerk aus gesehen wirkt sie wie ein grüner Wasserfall. Ganz in der Nähe stehen eine wunderlich geformte Eiche und eine besonders knorrige, große Platane (vor dem Lichtwerk).

Baumart

Hänge- oder Trauerbuche, Fagus sylvatica f. pendula, eine Zuchtform der Gewöhnlichen Buche, die durch Pfropfen vermehrt wird: eine junge Buche wird kurz über der Wurzel abgeschnitten, und in den gespaltenen Stamm wird ein Zweig einer Hängebuche eingesetzt, der dann mit der Wurzel zusammenwächst. Die Pfropfungsnarbe ist als Wulst im Stamm auch im Alter noch gut zu erkennen. Die Äste der Hängebuche wachsen zunächst nach oben, um sich dann im Bogen wieder nach unten zu wenden wie eine Fontäne. Die Zweige hängen wie bei der Trauerweide herab. Die Blätter sind gewöhnliche Buchenblätter: umgekehrt eiförmig, der Rand gezähnt. Die Borke ist nach Buchenart glatt und grau.

Geschichte

Die Ravensberger Spinnerei wurde 1857 in Betrieb genommen und galt viele Jahre lang als modernste mechanische Spinnerei Europas. Das Hauptgebäude ist in einem schlossartigen Stil gebaut. Um 1895 wurden davor zwei Löschteiche im Stil von Schlossteichen angelegt. Um 1900 wurde im Hintergelände an der Heeper Straße eine neue Hechelei gebaut und dabei wahrscheinlich auch die Hängebuche und die benachbarte Eiche gepflanzt. Das Gelände war damals ein Fabrikhof mit Schuppen, später ein Parkplatz. Die Spinnerei geriet in den 1960er Jahren in die Krise und stellte 1974 an diesem Ort ihre Produktion ein. 1968 kaufte die Stadt Bielefeld das Gelände. Die Stadtverwaltung hatte damals vor, alle Gebäude abzureißen, die Bäume zu fällen und an dieser Stelle eine riesige Straßenkreuzung zu bauen, um die Stadt „autogerecht“ zu machen. Mehrere Bürger- und Hochschulinitiativen verhinderten das durch jahrelange Proteste. 1973 wurde das Hauptgebäude gerettet, 1977 auch die anderen Gebäude, der Rest des Parks und das Wiesenbad. 1986 wurde im restaurierten Hauptgebäude die Volkshochschule eingerichtet. 1994 folgten das Historische Museum, 1995 das Museum Huelsmann und 2006 das Lichtwerk-Kino. Seit einigen Jahren finden im Ravensberger Park im Sommer auch große Konzerte sowie das Luna-Kino (Freiluftkino) statt

Status und Pflege

Raspa ist ein städtischer Baum, Teil einer städtischen Grünanlage und durch die Baumerhaltungsrichtlinie vom Juni 2009 geschützt. Sie wird von den Umweltbetrieben der Stadt Bielefeld gepflegt.