Kunsthallenpark

Chronik von Blubu

1808

1808, zur Zeit Napoleons, beschloss der Magistrat, außerhalb der Stadtmauer eine Begräbnisstätte der damals 6000 Einwohner zählenden Stadt zu errichten. Die Fläche wurde mit einer 2 ½ m hohen Ziegelsteinmauer eingefasst und mit einem monumentalen Eingangsportal ausgestattet. Zwei Torpfeiler aus Sandstein von 5 m Höhe und 1 m Stärke hielten ein schmiedeeisernes Flügeltor.

1835

Um 1835 konnten die Bielefelder im aufgestauten Stadtgraben vor dem bröckelnden Niederntor angeln und Eisvögel beobachten. Im Winter konnten sie dort schlittschuhlaufen. Die Frau eines Hauptmanns der Garnison erregte als erste Frau auf Schlittschuhen Aufsehen. Heute tost dort der Jahnplatz.

1848

Im Revolutionsjahr 1848 gründeten Bielefelder Patrioten eine Turngemeinde, die ihre von Ludwig Jahn inspirierten Leibesübungen vielleicht auf dem Kesselbrink vorführten.

1850

Um 1850 wurde Blubu die Friedhofsbuche auf dem Friedhof hinterm Jahnplatz gepflanzt – eine Blutbuche, d. h. eine Zuchtform der gewöhnlichen Buche mit tief-dunkelroten Blättern.

1856

1856 baute man dort, wo später die Hauptpost entstand, das erste Bielefelder Gaswerk. In drei Öfen wurde Steinkohle in Leuchtgas verwandelt. Damit wurden Laternen betrieben: in den Häusern, in der Ravensberger Spinnerei und auf der Straße. Überall kam dieses gelbliche Gaslicht auf, und die Nächte waren seitdem nicht mehr richtig dunkel. Die Steinkohle kam mit der Eisenbahn, die damals noch neu war, aus dem Ruhrgebiet angefahren. Blubu erinnert sich vor allem an den ungesunden Geruch der Gasanstalt. Später nannte man das Gas Stadtgas. Es bestand aus giftigem Kohlenmonoxid, Wasserstoff und Methan.

1861

Die Bielefelder Turnergemeinde feierte in der Grünanlage vor dem Niederntor ein Jahnfest und pflanzte dort eine Jahn-Eiche. Erstmals wurde der Platz Jahnplatz genannt. In dieser Zeit begann wohl auch der Abriss der Stadtmauer und des Niederntores.

1870

So erinnert sich Blubu an die "schöne Isländerin" und ihren blinden Mann: "Das muss so um 1870 gewesen sein, da kam dieses Paar fast jeden Tag an mir vorbei. Sie - eine schlanke, rüstige Dame, der auch mit 60 (was für Menschen ja ein höheres Alter ist) noch sehr schön war. Als junge Frau waren ihr bestimmt die Männer hinterhergelaufen. Der Glückliche, der sie bekommen hatte, ging stets an ihrer Hand: der Gymnasialprofessor und Sprachforscher Karl Schütz, der erblindet war und nicht mehr lesen konnte. Die beiden setzten sich an schönen Tagen hier auf eine Bank, sie packte ein Buch aus und las es ihrem Mann vor. Die beiden strahlten eine anmutige Ruhe aus. Sie hieß Christiane Johanna Schütz und stammte tatsächlich aus Island." (Dank an www.unglaublich-weiblich.de, 1834)

1874

1874 wurde der Friedhofsbetrieb hinterm Jahnplatz weitgehend eingestellt und der Friedhof zum Park umgebaut.

1883

Zum 35jährigen Stiftungsfest der Bielefelder Turngemeinde wurde auf dem Jahnplatz eine Jahn-Büste aufgestellt - zu Ehren des "Turnvaters" Ludwig Jahn.

1891

Eröffnung des Kreishauses an der Nordseite des Kesselbrinks. Es brannte 1944 aus und wurde um 1950 abgerissen.

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