Kunsthallenpark

Chronik von Frieli

1542

Um 1542 schloss sich Magister Thomas Eltz in der Neustadt dem protestantischen Glauben an, zur gleichen Zeit wie Pfarrer Anton Möller in der Altstadt. Die Neustädter Marienkirche wurde bikonfessionell: Die Kanoniker des Marienstiftes hielten katholische Messen ab, die Gemeinde dagegen protestantische Gottesdienste, deren äußeres Kennzeichen die deutschsprachigen Kirchenlieder waren. 1548 setzten herzogliche Räte die Rückkehr zum katholischen Kultus durch. 1554 führte Pfarrer Hermann Hamelmann die Reformation wieder ein, wurde aber 1555 auf Betreiben der Kanoniker vertrieben. Nach dem Augsburger Religionsfrieden 1555 schloss sich der Herzog von Jülich-Kleve-Berg der Reformation an; damit wurde auch Bielefeld evangelisch.

1632

Die Siege König Gustav Adolfs von Schweden im Dreißigjährigen Krieg hatten für Bielefeld die Folge, dass Altstädter Nicolaikirche und Neustädter Marienkirche endgültig protestantisch wurden.

1636

Eine Pestepidemie während des Dreißigjährigen Krieges kostete rund 300 Bielefelderinnen und Bielefelder das Leben.

1648

1648 beendete der Westfälische Friede zu Osnabrück und Münster den Dreißigjährigen Krieg. Zur Feier des Friedens wurde an der Südseite der Neustädter Marienkirche eine Linde gepflanzt, die Friedenslinde. Im Jahr zuvor hatten pfälzisch-neuburgische Truppen Bielefeld und die Grafschaft Ravensberg an Brandenburg übergeben. Bis 1918 blieben sie in brandenburgisch-preußischer Hand. Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, weilte mit seinem Hofstaat oft auf der Sparrenburg.

1671

"Anno 1671 war das, da weilten viele bunt gekleidete Gesandte mit ihren Umhängen und großen Hüten in der Stadt, zu einer Tagung des Westfälischen Reichskreises. Darunter auch Bernhard von Galen, der Bischof von Münster, den die Holländer "Bomben-Bernd" und die Preußen den "Kanonenbischof" nannten, weil er dauernd mit einem Heer umherzog und Städte belagerte. Man denke, ein Bischof! Sogar die Stadt Münster hat er einmal neun Monate lang belagert. Eines Nachts kam er hier vorbei und schüttelte die Faust gegen die Neustädter Marienkirche, weil sie nicht mehr katholisch war, sondern protestantisch. Er betete zu Maria und gelobte ihr Rache. Am nächsten Morgen sah ich ihn mit dem französischen Gesandten tuscheln." So erinnert sich Frieli die Friedenslinde. Den französischen Gesandten gelang es, den kriegslüsternen „Kanonenbischof“ in ihre Allianz einzuspannen. Zwei Jahre später ließ er Bielefeld belagern.

1679

Nach dem Frieden von Nymwegen rückten französische Truppen in Bielefeld ein und verlangten Kontributionen. Der brandenburgische Kommandant der Sparrenburg weigerte sich, auf die Soldaten in der Stadt schießen zu lassen. Dadurch ging die Sache glimpflich ab.

1713

Bielefeld wurde preußische Garnisonsstadt. In Ermangelung einer Kaserne mussten die Soldaten zunächst in Privathäusern untergebracht werden.

1719

König Friedrich Wilhelm I. von Preußen hob die Eigenständigkeit der Grafschaft Ravensberg und der Stadt Bielefeld auf und schloss sie verwaltungsmäßig mit Minden zusammen. Seitdem fanden fast keine Ständeversammlungen mehr statt, und der Bielefelder Magistrat war gegenüber Berlin weisungsgebunden.

1742

Bürger Martin beleidigte Bürger Medler (vielleicht unter der Friedenslinde?). Medler zog vor Gericht, Martin wurde zu einer Geldstrafe von 1 Reichstaler und 9 Mariengroschen verurteilt. Im 18. Jahrhundert entfielen 27 Prozent aller Strafverfahren in Bielefeld auf Beleidigungen und andere Ehrenhändel.

1777

In der heutigen Hans-Sachs-Straße wurde 1775-77 eine große Kaserne gebaut, später 55er-Kaserne genannt. Als Baumaterial verwendete man die Verblendsteine der Sparrenburg-Festungen, die militärisch sinnlos geworden waren.

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