Kunsthallenpark

Chronik von Kuka

1810

Um 1810 wurde vor der Stadtmauer zwischen Nebelstor und Oberntor eine Kastanie gepflanzt, die spätere Kunsthallen-Kastanie. Die Franzosen schlugen damalls ganz Norddeutschland einschließlich Jöllenbeck, Theesen, Vilsendorf, Brake und Altenschildesche zum Kaiserreich. Der Johannisbach bildete nun die Grenze zum Königreich Westfalen. Bauern aus Werther, Schildesche und Dornberg zogen bewaffnet nach Bielefeld, um ihre dort einsitzenden Söhne aus dem Gefängnis zu befreien. Sie hatten sich dem Militärdienst verweigert. Die Stadt rief französische Ulanen um Hilfe, die den Aufstand blutig niederschlugen. Diese zogen wahrscheinlich durch das Nebelstor in die Stadt.

1813

Befreiungskriege gegen Napoleon. Die Bielefelder spendeten den preußischen Truppen und Freikorps Geld, Schmuck, Silberbesteck, Medaillen und Leinenstücke. Als sie siegreich aus Frankreich zurückkehrten, wurden sie in Bielefeld stürmisch gefeiert.

1831

Am 25. Juli wurde die Bielefelder Schützengesellschaft gegründet. Sie sollte den Gemeinsinn fördern und die »brüderliche Eintracht« der Bielefelder in Form eines jährlichen Schützenfestes feiern. Alsbald trafen sich die Schützen auf dem Johannisberg zum Schießen. Offenbar gedieh die Eintracht im Pulverdampf noch einmal so gut.

1842

In Deutschland blühte die Burgenromantik. Auch in Bielefeld sammelte ein Bürgerkomitee Geld für den Wiederaufbau des Bergfrieds (Turmes) der Sparrenburg. 1843 wurde der Turm fertig. Auch die Brücke zum Burgtor wurde wiederhergestellt.

1859

Brandgeruch, Glockenläuten, Geschrei! In der Hagenbruchstraße brannte eine Bäckerei ab. Nur knapp und mit großer Mühe konnten die Bielefelder den Ausbruch eines Stadtbrandes verhindern. Danach wurde eine Feuerwehr gegründet, um die Gefahr zu verringern. Sie rekrutierte sich aus Mitgliedern des Bielefelder Turnvereins.

1860

Ein bunt kostümierter Rosenmontagszug setzte sich am Niederntor in Bewegung, zog durch die Stadt, zum Nebelstor hinaus nach Brackwede und wieder zurück. Ein närrischer „Großer Rath“ huldigte dem Prinzen Carneval. Schon am Karnevalssamstag hatten sich die kostümierten Narren in der Tonhalle auf dem Johannisberg zum Feiern getroffen.

1866

Die Sängerinnen Sophie und Marie Cruvelli traten im Saal der »Ressource« (vermutlich am Alten Markt) bei einem Wohltätigkeitskonzert »zum Besten der Witwen und Waisen unserer Krieger« auf und sangen u. a. ein Duett aus »Semiramis« von Rossini, Lieder von Schubert, ein Terzett von Spohr und ein Duett aus dem »Troubadour« von Verdi. Die »Ressource« war der Verein der Bielefelder Kaufmannsfamilien. Die Handwerker trafen sich in der Bürgergesellschaft »Eintracht« am Klosterplatz und im 1859 gegründeten Gesangverein »Arion«. (nach Reinhard Vogelsang: Geschichte der Stadt Bielefeld, 2. Bd., S. 116 u. 216)

1869

Die Sängerfeste der Bielefelder Liedertafel machten den Johannisberg berühmt, auf dem seit 1858 eine Tonhalle stand. 1869 waren die Dichter Ferdinand Freiligrath, Emil Rittershaus und Heinrich Hoffmann von Fallersleben unter den Gästen. Man feierte Freiligraths Rückkehr aus dem Londoner Exil, in das er 1849, nach der gescheiterten demokratischen Revolution, hatte fliehen müssen.

1870

Auf dem Gelände der abgerissenen Stadtmauer wurde das Städtische Gymnasium errichtet (das spätere Ratsgymnasium), wobei man den Grestschen Hof, einen Adelshof aus der Renaissance, in den Bau mit einbezog.

1878

Auf dem Oberntorwall wurde eine Siegessäule für die Gefallenen der „Einigungskriege“ von 1864-1871 aufgestellt, mit einer Nikefigur aus Bronze und zwei Figuren am Sockel, die das 1870 „ergrimmt zu den Waffen greifende“ und das 1871 mit dem Lorbeerkranz geschmückte siegreiche deutsche Volk darstellten. Sie wurde 1944 zerstört.

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